haben Caro­li­ne gesehen.

Die­sen kur­zen Satz wol­len wir erst ein­mal so ste­hen las­sen, wol­len ihm ermög­li­chen, eine Wir­kung zu ent­fal­ten. Ver­hallt er wir­kungs­los, evo­ziert die Pho­to­gra­phie viel­leicht (trotz­dem) auch etwas, irgendetwas.

Ich weiß, dass ich ger­ne undeut­lich bin, doch Sie sollten/müssten wis­sen, dass die­se Undeut­lich­keit im Regel­fal­le dosiert ist, fein dosiert ist und Ihr Den­ken her­aus­lo­cken, her­aus­for­dern soll. Nur so kann ich mich Ihnen nähern, nur so perlt mei­ne Rede nicht ab, ver­hält sich zu Ihrem Bewußt­sein, wie das Was­ser zum Lotus.

Und Sie wol­len doch auch, dass Text Sie berührt, sich nicht in Pha­sen und Flos­keln ergeht, die ihn aus­tausch­bar, über­flüs­sig machen – zurück zum Satz, zurück zum Bild. Hier herrscht gro­ße Undeut­lich­keit, steckt die Bedeu­tung in einem Laby­rinth, und es braucht einen lan­gen (zar­ten und blau­en) Faden, die Bedeu­tung zu erschlie­ßen. Alter­na­tiv hilft auch das Tau­chen, aber wer ver­steht schon, rich­tig einzutauchen?

»Sei­ne Augen haben Caro­li­ne gese­hen« – so, so, sei­ne Augen – wes­sen Augen?
Die Augen von Schel­ling, Fried­rich Wil­helm Joseph von Schelling.
Und wir sehen sei­ne Augen, weil das Bild 1848 ent­stand, zu einer Zeit, als die Pho­to­gra­fie schon Ein­zug in die Welt genom­men hat. Und der Augen der bei­den Damen konn­te man zu die­ser Zeit bereits nur noch über Zeich­nung und Male­rei gewahr wer­den. Über das Erin­nern der Augen-Bli­cke wol­len wir jetzt und hier nicht spre­chen, es führ­te zu weit.

Zur Rech­ten sehen wir Caro­li­ne, sieht uns Caro­li­ne. Ich schwei­fe ab und zitie­re so lan­ge aus einer Mail, die damals noch nichts davon wuss­te, dass ich sie hier zweit­ver­wer­te – ich wuss­te es doch auch nicht.

»Wie sich mein Blick doch wan­delt. Ich spie­le mit dem Gedan­ken, den Umschlag der »Lucin­de« erneut anzu­pas­sen, Caro­li­ne unter Doro­thea zu legen oder umge­kehrt – viel­leicht lege ich mir ein wei­te­res Exem­plar der … Bevor der Gedan­ke for­mu­liert ist, gerinnt er mir in Wirk­lich­keit. Wie­der wird mir die Aus­ga­be von Gold­mann geschickt, wie­der wer­de ich das Cover, die Sän­ge­rin, über­kle­ben, die Sän­ge­rin unter der Rhap­so­din über­gibt an die Rhap­so­din – die Nym­phe zeigt sich—selbst. Ach, es gibt ja aus­rei­chend Exem­pla­re die­ses Taschen­buchs. Soll ich nicht ein wei­te­res bestel­len, Katha­ri­na auch auf sich selbst kle­ben, die Sän­ge­rin auf die Sän­ge­rin, ihr Raum geben? Stie­ler, der in Mainz gebo­ren, hat ihrem Bild doch auch mehr Raum gebo­ten, hat Katha­ri­na sich ent­fal­ten las­sen, zeigt den gan­zen Hals, nack­te Schul­ter, zeigt sie, bevor sie sich für vier­und­vier­zig Jah­re zurück­zie­hen wird – und 1877 kurz vor Phil­ipp Veit stirbt. Redu­ziert das Punk­tum nicht in die Per­le, und ist es die Per­le, lasst es rei­cher, lasst es vol­ler sein! Goe­the und Schel­ling hat Stie­ler doch auch mehr Raum gege­ben. Ich schwei­fe ab«

Ich bin zurück, lese mein Zitat und füh­le mich in der Pflicht. Die Katha­ri­na, von der hier die Rede ist, ist  Katha­ri­na Sigl-Ves­per­mann. In Wiki­pe­dia fin­det sich ein Bei­trag » zu ihr. Ganz unab­hän­gig vom Bei­trag fin­det sich – eben­falls in der Wiki­pe­dia – auch ein Bild von ihr. Lei­der ist dem Bei­trag kein Bild zuge­fügt, aber eines liegt hier » auf den Ser­vern der Wikimedia.