Voll­kom­me­nes Vakuum
gleichzeitig
Eine Minu­te der Menschheit

Zwei Titel von Sta­nisław Lem (Dos­ko­nała próż­nia und One Human Minu­te) begeg­nen sich, wind­schief zu unse­rem The­ma und doch auch pas­send. Eine beson­de­re Minu­te, eine Beob­ach­tung. Als Besu­cher sind Sie hier Beob­ach­ter der Besu­cher einer Aus­stel­lung – ver­letz­lich und ver­letzt, plan­los und wehrlos …
(Eine Minu­te erach­te ich dem geneig­ten Besu­cher gegen­über noch als zumutbar.)

Vier­zig Jah­re nach der Honig-Pum­pe, die Vaku­um-Pum­pe – vier Jah­re nach der Vaku­um-Pum­pe, die­ser schutz­lo­se Strich als Linie der Rich­tung. (Joseph Beuys ist heu­te schon 100, Sta­nisław Lem ist noch 99.)

In den Raum geschrieben:


Die Unend­lich­keit des Gan­zen in der unbe­grenz­ten Begrenzt­heit des Details – Dos­ko­nała próżnia.

 

Kri­tik als Ver­wei­ge­rung einer Rezen­si­on der wun­der­bar insze­nier­ten Nicht-Existenz.
Der Besu­cher war dabei, mit­ten­drin und gleich­zei­tig Garant, dass sich nichts fas­sen lässt, nichts bleibt, viel­leicht doch, eine Zahl – Magie vom Reiß­brett, Magie zwei­ter Ord­nung – die Zuschauerzahl.

Wie schön, dass Karol Irzy­kow­ski in den 20er Jah­ren (1924) schon Zen­tra­les vor­weg­neh­men konnte.
Sinn­ge­mäß sagt er: »An die Ästhe­ti­ker von heu­te: Das Wort ist ein Strahl, der aus dem Fik­ti­ven die ferns­ten Wel­ten der Unsicht­bar­keit erreicht. Mit dem Spie­gel der Sicht­bar­keit, der rea­len, der ima­gi­nä­ren, der bekann­ten und der zukünf­ti­gen, ist das Wort die meta­phy­si­sche Erwei­te­rung sei­ner eige­nen Wur­zeln. Ver­schmol­zen sind ihm Objekt und Sub­jekt ein und das­sel­be. Das sind zwei Gesich­ter des Lichts.«

Beuys und Lem sind da erst drei Jah­re alt, doch schafft der Gedan­ke hier eine zukünf­ti­ge Bin­dung, eine Ein­la­dung zur Demas­kie­rung – des einen Gebälk als des ande­ren Gefach und umgekehrt.

Hoff­nung? Ja!

Jeder Mensch ist ein Künst­ler, und jeder Mensch ist ein Mensch.

Sozia­le Plas­tik in Bild und in Wort